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Geschichten rund um die Tulpe

Laut einer Fleurop-Umfrage sind Tulpen und Schneeglöckchen die beliebtesten Frühlingsblumen und passen erst noch zum Valentinstag. Dies, weil beide von Liebe künden. 

In der Türkei, wo die Blumensprache ja ursprünglich entstand, ist die Tulpe einerseits Sinnbild des Wandels, andererseits aber auch Symbol von heftigster Liebe. Zudem wird sie auch als Liebeserklärung gesehen. Und das Schneeglöckchen? Da es eine der ersten Frühlingsblumen ist, manchmal sogar noch mitten im Schnee wächst und vom nahenden Frühling kündet, bedeutet es Liebeserwachen oder erster Liebesblick.


 

Vom Tulpen-Krimi zum ersten Börsencrash

Die Geschichte der Tulpe ist so aufregend, dass über sie Bücher geschrieben wurde und sie auch verfilmt worden ist. Sie beginnt damit, dass 1562 im Hafen von Antwerpen ein Schiff vor Anker geht, das Stoffe aus der Türkei geladen hat. Unter dem Tuch liegen Tulpenzwiebeln. Aber da der flämische Händler diese Knollen nicht kennt, glaubt er, dass es türkische Speisezwiebeln sind. Also brät er einige, isst sie  und wirft die restlichen auf den Misthaufen, weil sie ihm nicht schmecken. Und Simsalabim: Im Frühling blühen in den Niederlanden die ersten Tulpen. Diese sind so faszinierend und begehrt, dass sie bald zum Statussymbol werden. Um 1630 sind an die 1000 verschiedene Tulpensorten bekannt, und bald übersteigt die Nachfrage das Angebot. Folglich erhöhen sich die Preise. Ab 1634 steigen diese in nur drei Jahren sogar um das 50-fache an und erreichen exorbitante Höhen. Ihren Höhepunkt findet die Tulpenspekulation 1637 bei einer Versteigerung in Alkmaar, wo man für 99 Tulpenzwiebeln 90000 Gulden bezahlte, was einem heutigen Gegenwert von ca. 900000 Euro entspricht. Plötzlich bricht in den Niederlanden  praktisch über Nacht der Tulpenhandel zusammen, und es kommt zu dem, was man heute den ersten Börsencrash bezeichnet.



 
Die Faszination für Tulpen greift auf ganz Europa über

Die Tulpen verloren ihre Faszination nach dem Börsencrash nicht. Denn der Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) beispielsweise importierte jedes Jahr vier Millionen Tulpenzwiebeln aus den Niederlanden. Das hätte beinahe zum Staatsbankrott geführt. Zudem brach im 17. und 18. Jahrhundert das Tulpenfieber auch im Ursprungsland der Tulpe  der Türkei  aus. 

Sultan Suleiman II. liess Palast und Palastgärten mit abertausenden von Tulpen schmücken. Und auch Sultan Ahmed III. veranstaltete jedes Frühjahr bei Vollmond in den Gärten seines Palastes ein Tulpenfest. Letzteres soll überaus grossartig gewesen sein. Denn Ahmed III. liess hunderte von Vasen mit den schönsten Tulpenblüten aufstellen, die er durch kostbare Kristalllampen sehr effektvoll beleuchten liess. Auch in den Palastgärten blühten Tulpen. Und in den Zweigen der Bäume hingen Käfige mit Nachtigallen und anderen Singvögeln, die miteinander um die Wette sangen. Apropos Ahmed III. und seine Tulpen: Er soll sich vor allem jener bedient haben, die in der Türkei gezüchtet wurden. Aber da sich inzwischen auch die niederländischen in ganz Europa einen Namen gemacht hatten, importierte er für sein Fest einige besonders schöne Exemplare.


 

Blattläuse züchteten die teuerste Tulpe

Als in der Blüte des Tulpenfiebers in den Niederlanden die Preise verrückt spielten, waren Tulpen mit mehrfarbig geflammten, gestrichelten, gestreiften, geränderten oder gesprenkelten Blüten besonders wertvoll. Verhängnisvollerweise waren diese farblichen Merkmale oft nicht auf einen Zuchterfolg zurückzuführen, sondern die Folge des Tulpenmosaikvirus, das von Blattläusen übertragen wird. Entsprechend unberechenbar waren Zuchtlinien. Dies umso mehr, als der Grund für die plötzliche Farbmutation den damaligen Züchtern unbekannt war und vom Virus befallene Tulpen schwächer und in ihrem Farbmuster weniger konstant waren als gesunde Tulpen. Obwohl die Züchter den eigentlichen Grund für die Farbvariationen nicht kannten, versuchten sie, gezielt neue Sorten hervorzubringen. So tränkten sie beispielsweise Tulpenzwiebeln mit Tinte oder bestreuten die Beete mit allerlei farbigen Pülverchen, Taubenkot und Mörtelstaub. Die berühmteste (und auch teuerste) dieser kranken Tulpen war damals die Semper Augustus, deren Preis Anfang 1637 bei 10000 Gulden lag. Dies zu einer Zeit, in der ein Handwerker rund 250 Gulden jährlich verdiente!

Seit 1924 kennt man das Tulpenvirus. Und die heute verkauften mehrfarbigen Tulpen sind selbstverständlich gesund.


 

Tulpen farbenprächtig, kapriziös und absolut liebevoll!

Dass Tulpen nach wie vor so viele Menschen begeistern, hat nicht zuletzt mit der Vielfalt ihrer Blütenformen, -grössen und -farben zu tun. Hier einige Pflege-Tipps, damit sie möglichst lange halten: Schneiden Sie Tulpen vor dem Einstellen mit einem scharfen Messer (nie mit der Schere!) schräg an. Stellen Sie sie in kühles (nie eiskaltes) Wasser ein und reichern Sie dieses mit Frischhaltemittel an. Wählen Sie einen möglichst kühlen, zugfreien Standort. Und vergessen Sie nicht, täglich Wasser nachzufüllen.

Übrigens: Im Fachgeschäft werden Tulpen immer so angeboten, dass die Blütenfarbe zu erkennen ist. Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit sie schön aufblühen. Und: Tulpen wachsen in der Vase weiter und haben auch sonst ein kapriziöses Eigenleben. Dieses kann man beeinflussen: Denn in hohen, schlanken Vasen bleiben die Stiele eher gerade, in niedrigen Kugelvasen hingegen sind die Krümmungen der Stiele besonders gut zu beobachten.


 

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